Luxemburg mit der Bahn, Teil 1: Die Minièresbunn
Seit gestern Mittag bin ich zurück aus dem Großherzogtum, in das der Nobbe und ich vor drei Tagen mit der Mission aufgebrochen waren, alle Bahnstrecken des Landes zu bereisen. Da die Mission weitgehend erfolgreich abgeschlossen wurde, folgt hier der Bericht.
Die Anreise war letztlich wenig spektakulär und erfolgte zunächst mit dem ICE nach Saarbrücken und ab dort gänzlich unstandesgemäß mit dem Bus, der Luxemburg Stadt nach etwa 75 Minuten erreicht. Immerhin wird der Bus von der luxemburgischen Staatsbahn CFL betrieben, außerdem ist diese Verbindung die schnellste Möglichkeit, aus dem Süden Deutschlands nach Luxemburg zu kommen. Laut DB-Reiseauskunft ist die Busfahrt von Saarbrücken nach Luxemburg reservierungspflichtig, allerdings war die Linie am letzten Donnerstag nicht gerade überbelegt und es war problemlos möglich, beim Fahrer für 9 € ein Ticket zu bekommen. Aber weil es eben ein Bus und kein Zug ist (und ich vergessen habe, ein Foto zu machen), soll über den Bus hier nicht weiter berichtet werden und wir gehen direkt zur ersten Etappe in Luxemburg über, die uns um 13:22 Uhr zunächst von Luxemburg Stadt nach Petingen (französich Pétange, luxemburgisch Péiting) brachte.
13:22 Uhr nach Athus über Pétange
Die Linie von Luxemburg ins belgische Athus wird von der CFL als Linie 70 bezeichnet. Zum Einsatz kamen Fahrzeuge vom Typ Alstom Coradia Duplex, bei der CFL als Serie 2200 bezeichnet und Baugleich mit den Z24500 der SNCF.
Alstom Coradia Duplex auf der Linie 70 der CFL
Unser Ziel war, wie schon erwähnt, zunächst der Bahnhof Pétange.
Bahnhof Pétange
Dort warnte uns zunächst ein alter Bekannter vor Gefahren.
Warnung vor Gefahren
Der Grund, warum es an diesem Tag ausgerechnet Pétange sein sollte, ist nun endlich auf dem folgenden Bild zu sehen:
Dampflok des Train 1900
Wie Nobbe aufgetan hatte, ist Pétange an Sonn- und Feiertagen (und der 15. August ist in Luxemburg ein Feiertag!) Ausgangspunkt des Museumszuges Train 1900, der die ehemalige Industriebahn nach Bois Châtier in Frankreich befährt. Die Strecke ist allerdings heute nicht mehr auf ihrer ganzen ehemaligen Länge befahrbar, sondern endet etwa 2 Kilometer früher in Bois de Rodange.
In diesem Waggon…
1.-Klasse-Wagen des Train 1900
… ging es dann standesgemäß in der 1. Klasse…
Innenraum eines 1.-Klasse-Wagens des Train 1900
… nach Fond-de-Gras, dem Betriebsmittelpunkt der Bahnlinie.
Stationsschild des Bahnhofs Fond-de-Gras
Der historische Bahnhof Fond-de-Gras verdankt seine Existenz dem Eisenerz, das bis in die 1950er Jahre hier im Dreiländereck Luxemburg-Frankreich-Belgien abgebaut wurde. An diesem Bahnhof wurde Eisenerz aus den umliegenden Minen von der Grubenbahn in die Güterwagen der normalspurigen Eisenbahn verladen. Die Grubenbahn oder „Minièresbunn“ wird heute ebenfalls museal betrieben und so führte unsere nächste Etappe mit eben dieser Bahn zunächst zum Zwischenhalt Doihl.
Zug der Minièresbunn mit Diesellok bei Fond-de-Gras
Die Grubenbahn verkehrt auf einer Spurweite von 700mm. In Doihl wurde bei unserem Zug die Lok umgespannt. Die Diesellok blieb zurück und die linke der beiden E-Loks übernahm unseren Zug.
E-Loks der Minièresbunn in Doihl
Der Grund: Die Grubenbahn führt direkt durch den ehemaligen Hauptstollen des Bergwerks! Ein Betrieb mit Diesel- oder gar Dampfloks in der Mine wäre wegen der Abgase doch recht unpraktisch, weswegen die Tunnelstrecke mit 500 V Gleichstrom elektrifiziert ist. Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir in den 1400m langen Schacht.
Tunneleinfahrt bei Doihl
Die Fahrt in den offenen Wagen durch den schlecht bis gar nicht beleuchteten Tunnel ist schon was interessantes! Nach ein paar Minuten, die einem aber durch die Dunkelheit recht lang vorkommen, wird das andere Ende des Stollens erreicht.
Tunnelende bei Lasauvage
Noch im Tunnel verzweigt sich die Strecke und erreicht entweder rechts- oder linksrum die Bahnanlagen des Bahnhofs Lasauvage Bergwerk.
Von dort nahmen wir einen Anschlusszug, der uns zunächst nach Lasauvage Kirche, eine Station mitten im Wald (eine Kirche haben wir nicht gesehen, aber da soll wohl eine sein) brachte. Anschließend ging es wieder zurück über Lasauvage Bergwerk bis nach Saulnes in Frankreich. Im Bild ist unser internationaler Zug an der Endstation Saulnes zu sehen.
Internationaler Personenzug in Saulnes
Interessanterweise fand ich in der Lok ein Bild von Walter Ulbricht.
Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten
Vermutlich wurde das Bild bereits 1959 angebracht, als die Lok bei VEB Lokomotivbau Karl Marx in Babelsberg gebaut wurde, vielleicht aber auch erst später.
Typenschild
Wieder in Lasauvage Bergwerk warteten wir die Einfahrt des nächsten Zuges aus dem Schacht ab, der uns anschließend wieder zurück nach Fond-de-Gras bringen sollte.
Ein Zug fährt aus dem Stollen nach Lasauvage Bergwerk
Die Wagen dieses Zuges haben wie die Lok Stromabnehmer, da es sich um ehemalige Triebwagen handelt. Inzwischen sind die Motoren allerdings ausgebaut. Einige der Loks tragen die Aufschrift des luxemburgischen Stahlhüttenbetriebs ARBED, der heute Teil des ArcelorMittal-Konzerns ist.
Auf dem Rückweg nach Doihl legten wir noch einen Stopp im Tunnel ein und es wurde eine kurze Führung durch den Stollen angeboten.
Zwischenhalt im Schacht
In Doihl war diesmal kein Lokwechsel, sondern Umsteigen angesagt und wir fuhren mit einem Dampfzug zurück nach Fond-de-Gras. Auf dem Foto war der Zug schon auf dem Weg in die Abstellung.
Dampfzug der Minièresbunn
Zurück am normalspurigen Bahnhof von Fond-de-Gras…
Überblick über den Bahnhof Fond-de-Gras
… wartete bereits der Train 1900 auf Fahrgäste für die Rückfahrt nach Pétange.
Der Train 1900 steht abfahrbereit in Fond-de-Gras
Wir entschieden uns aber, noch ein wenig am Bahnhof zu bleiben…
Bahnhofsgebäude Fond-de-Gras
Verboten, die Bahn zu betreten
… und uns die Dinge ein wenig genauer anzusehen, wie zum Beispiel einen in der Halle abgestellten Uerdinger Schienenbus…
Uerdinger Schienenbus
… oder historische Plakate, die für Sicherheit am Arbeitsplatz werben.
Sei Wachsam! Die Sicherheit der Rotte verlangt es!
Mit einem anderen Schienenbus…
Schienenbus im Bahnhof Fond-de-Gras
… der skandalöserweise nur die 3. Klasse und nur Platz für kleines Gepäck hatte…
Nur für kleines Gepäck
… ging es dann zunächst zum heutigen Streckenende bei Bois-de-Rodange, dann zurück nach Fond-de-Gras und schlussendlich wieder zum CFL-Bahnhof Pétange…
Ausfahrt Fond-de-Gras
Die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs wurde auf der Strecke jedoch nicht einmal ansatzweise erreicht.
Höchstgeschwindigkeit 90 km/h
Zum Abschluss ging es dann wieder mit der CFL zurück nach Luxemburg.
Zugzielanzeiger in Pétange
Luxemburg kann von Peitingen auf zwei Wegen erreicht werden. Der direkte Weg führt über Bascharage. Die Züge der Linie 60 nehmen den längeren Weg über Esch an der Alzette, aber da der Besuch der zweitgrößten Stadt in Luxemburg erst für den folgenden Tag geplant war, entschieden wir uns wieder für die Linie 70.
Der Fahrplan des Tages im Überblick:
Frankfurt Hbf. ab 09:01 ICE 9556
Saarbrücken Hbf. an 11:00
ab 11:15 Bus 123
Luxembourg an 12:30
ab 13:22 RB
Pétange an 13:44
ab 14:15 Train 1900 Dampfzug
Fond-de-Gras an 14:37
ab 14:45 Minièresbunn
Lasauvage Bergwerk an 15:15
ab 15:25
Lasauvage Kirche an 15:30
ab 15:40
Saulnes an 16:00
ab 16:10
Lasauvage Bergwerk an 16:25
ab 16:30
Fond-de-Gras an 17:25
ab 18:10 Train 1900 Schienenbus
Bois-de-Rodange an 18:15
ab 18:25
Fond-de-Gras an 18:30
ab 18:40
Pétange an 19:00
ab 21:14 RB
Luxembourg an 21:38
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